Die Griechen (“Greeks”)

Einer der Hauptgründe, warum Anfänger gerade am Anfang Geld verlieren, ist, weil sie die statistischen Kennzahlen im Optionshandel nicht kennen oder nicht richtig verstehen.
Die wesentlichen statistischen Elemente sind die sog. „Griechen“ oder auch auf engl. „Greeks“ genannt. Dahinter verbergen sich statistische Werte, die zum einen das Risiko und zum anderen die Preisveränderungen von Optionen messbar machen.

Genauer gesagt lassen sich mittels der „Griechen“ Kursveränderungen des zugrundeliegenden Basiswertes bzw. der Aktie, der Zeitverfall oder auch der Einfluss der Volatilität als tatsächliche monetäre Auswirkung darstellen. Es ist daher essentiell wichtig, ihre Bedeutung und Auswirkungen genau zu kennen und richtig deuten zu können.

Die Griechen bestehen aus den folgenden statistischen Merkmalen:

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Wie viele es von einem dem klassischen Aktienmarkt wissen, kommt es durch Angebot und Nachfrage immer zu Kursschwankungen der jeweiligen Aktie. Was du aus dem Beitrag Was ist eine Option weißt ist, dass eine Option sich von einem Basiswert ableiten lässt – in diesem Fall eine Aktie. Folglich führen Kursschwankungen beim Aktienmarkt auch zu Preisschwankungen bei der zugrundeliegenden Option. In der Regel können viele diese Schwankungen nachvollziehen.

Was ist jedoch, wenn sich der Aktienkurs angenommen nicht verändert, aber der Optionspreis schon? Hier wird es für Laien schnell irritierend und viele werden von den Schwankungen im täglichen Trading überrascht. Genau hier kommen die vier Griechen Delta, Gamma, Vega und Theta ins Spiel. Diese sind nach griechischen Buchstaben benannt und geben Auskünfte über unterschiedliche Veränderungen.

Als Optionshändler sollte man demnach die Bedeutung kennen, um besser abschätzen zu können, wie sich der Optionspreis unter bestimmten Annahmen verändern wird bzw. kann.

Delta

Das Delta ist eines der noch bekanntesten statistischen Elemente, da es sogar Strategien gibt, die sich ausschließlich auf das Delta beziehen.

Kommen wir aber erstmal zur Erklärung. Das Delta beschreibt die Sensibilität einer Option bei Preisveränderungen des Basiswertes (Aktie).

Die Delta-Werte bewegen sich für Call Optionen zwischen 0 und 1 und für Put Optionen zwischen 0 und -1

Liegt das Delta bei 0,7, so ändert sich der Preis der Call-Option um 0,7 Einheiten, wenn sich der Kurs der zugrundeliegenden Aktie um einen Euro verändert.

Angenommen, eine Aktie liegt bei 100€. Eine Call Option mit einem Strike Preis von 100€ und mit einem Delta von 0,5 kostet 20€ . Steigt die Aktie nun auf 101€, so steigt der Preis auf 20,50€. Angenommen, alle anderen Faktoren bleiben unverändert.

Eine Steigerung des Optionspreises ist hier logisch, da mit jeder Steigung der zugrundeliegenden Aktie der Gewinn  für den Optionskäufer steigt. Das Recht, eine Aktie für 100€ kaufen zu können, obwohl sie mehr wert ist, bildet den Gewinn des Käufers.

Solltest du dir hier unsicher sein, dann schaue dir gerne nochmal den Beitrag “Kaufgeschäfte” an.

Ich werde zukünftig noch einen detailierteren Beitrag zum Delta machen und hier verlinken.

Vega

Das Vega beschreibt die Sensibilität einer Option bezüglich der impliziten Volatilität des Basiswerts. Genauer gesagt:

  • Steigt die Volatilität, so erhöht sich der Optionspreis
  • Sinkt die Volatilität, so verringert sich der Optionspreis

Das Vega beschreibt die Preisveränderung einer Option bei einer 1%-igen Veränderung der Volatilität des Basiswerts.

Liegt das Vega bei 0,7, so ändert sich der Preis der Option um 0,7 Einheiten, wenn sich die implizite Volatilität des Basiswertes um einen Prozentpunkt verändert.

Liegt der Aktienkurs wieder bei 100€ und kauft man einen Call für 20€ mit einem Strike Preis von ebenfalls 100€ und einem Vega von 0,7, dann steigt der Optionspreis auf 20,70€, wenn die implizite Volatilität um 1% steigt.

Je höher die Restlaufzeit einer Option ist, desto höher fällt auch deren Vega aus. Die Reaktion der Option ist durch die längere Laufzeit der Option empfindlicher als bei einer Option mit kürzerer Laufzeit.

Ich werde zukünftig noch einen detailierteren Beitrag zum Vega machen und hier verlinken.

Gamma

Das Gamma ist eng verbunden mit dem Delta und gibt an, wie stark sich das Delta verändert, wenn sich der Kurs des Basiswerts um eine Einheit bzw. 1€ verändert und alle anderen Größen gleichbleiben.

Das Gamma ist bei Optionen am Geld am größten, da Preisänderungen des Basiswertes an dieser Stelle den stärksten Einfluss auf das Delta haben. Ändert sich der Aktienkurs nach oben oder unten, dann ist die Option sofort im oder aus dem Geld. Daher ist die Veränderung des Deltas, welches wie schon erwähnt die Änderung des Basiswertes bzw. der Aktie auf den Optionspreis darstellt, am Größten.

Ich werde zukünftig noch einen detailierteren Beitrag zum Gamma machen und hier verlinken.

Theta

Das letzte Element – das Theta – ist für Optionshändler nochmal sehr wichtig. Es gibt an, wie stark sich der Preis einer Option verändert, wenn sich die Restlaufzeit um einen Tag verkürzt. Es beschreibt den sog. „Zeitwertverfall“. Optionen verlieren mit fortschreitender Zeit kontinuierlich an Wert, wenn sich andere Faktoren nicht zugunsten des Optionskäufers entwickeln.

Nehmen wir das Beispiel des Short Calls aus dem Beitrag „Warum der Verkauf von Optionen oftmals die bessere Wahl ist“. Hier hat der Käufer die Pflicht zum Verkauf der Aktien bei Ausübung. Zu Beginn des Verkaufs liegt die Option üblicherweise aus dem Geld. Im Geld wird sie nur sein, wenn der Aktienkurs in diesem Fall steigt, denn dann wird der Käufer seine Option ausüben und die Aktien kaufen wollen. Tritt jedoch der umgekehrte Fall ein und die Aktie sinkt, so verfällt die Option wertlos. Diesen Prozess beschreibt das Theta, denn ab dem Moment des Kaufs des Calls verfällt der Zeitwert der Option, wenn sich der Kurs der zugrundeliegende Aktie gegen die Erwartung des Käufers verändert. Anfangs fällt der Wert einer Option noch langsam, zum Verfallsdatum hin dann aber deutlich schneller.

Ein hohes Theta ist demzufolge positiv für den Verkäufer und negativ für den Käufer.

Aufgrund der Tatsache, dass der Zeitwert einer Option mit der Nähe zum Verfallstag weiter ansteigt, verläuft das Theta nicht linear, sondern steigt ebenfalls mit abnehmender Restlaufzeit.

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