Zeitwert – Der Wettlauf gegen die Zeit

In diesem Beitrag geht es um den Zeitwert und den Zeitwertverfall.

 
Der Zeitwert von Optionen bildet gemeinsam mit dem inneren Wert einen Bestandteil der Optionsprämie bzw. des Optionspreises.

Im Gegensatz zum reinen Aktienmarkt, bei welchem die einzige Möglichkeit, Geld zu verdienen, darin besteht, Aktien zu kaufen und zu warten, bis die Kurse ansteigen, sieht dies im Optionshandel anders aus. Wie ich in meinem Beitrag „Verkaufen“ erklärt habe, ist es auch bei fallenden und seitwärts laufenden Aktienkursen möglich, Geld zu verdienen. Dazu später mehr 😉

Der Zeitwert ist bei Optionen mit einer langen Restlaufzeit höher als bei Optionen mit einer niedrigeren Restlaufzeit. Dies hat folgenden Hintergrund:

Je länger eine Option läuft, umso höher ist die Chance für den Käufer einer Option, dass sich der Kurs der Aktie zugunsten des Käufers verändert und er seine Option folglich ausüben kann. Eine Ausübung hat zur Folge, dass der Verkäufer seine Pflicht zum Verkauf (Short Call) oder zum Kauf (Short Put) erfüllen muss.

Der Optionskäufer ist demzufolge bereit eine höhere Prämie zu bezahlen, da die Option länger läuft und so mehr Zeit für ihn bleibt, in der die Option profitabel wird.

Auf der anderen Seite besteht jedoch für den Verkäufer ein erhöhtes Risiko, denn die Zeitspanne für Bewegungen der zugrundeliegenden Aktie in die gewünschte Richtung des Käufers ist größer. Der Verkäufer verlangt eine höhere Prämie, denn zum einen muss er die Füße stillhalten und zum anderen akzeptiert er mit längerer Laufzeit auch länger die Bedingungen bzw. die Pflichterfüllung bei Ausübung – Dafür möchte er bezahlt werden.

Doch mit jedem Tag sinkt auch die Chance, dass sich der Kurs zugunsten des Käufers verändern wird. Zum Verfallstag beträgt der Zeitwert folglich 0.

In der Regel sinkt der Zeitwert in den letzten Tagen vor dem Verfallstag stärker als am Anfang. Der Zeitwertverfall ist demnach nicht linear, sondern wird zum Ende der Laufzeit beschleunigt. Dies habe ich dir einmal grafisch dargestellt:

Dieser Zeitwertverfall kommt dem Verkäufer einer Option zu Gute. Wie du bereits in dem Beitrag “Die Griechen” kennengelernt hast, wird der Zeitwertverfall durch das Theta ausgedrückt.

Das Theta drückt aus, wie sich der Preis einer Option verändert, wenn die Restlaufzeit um einen Tag sinkt.

Die Ausprägung des Zeitwertverfalls ist immer negativ, denn sobald eine Option gekauft oder verkauft wurde, setzt der Verfall des Zeitwertes unmittelbar ein.

Kommen wir nun nochmal zu einem praktischen Beispiel:

Nehmen wir an, wir verkaufen einen Call auf die Apple Aktie. Diese dotiert bei 176.32$ (Letztkurs oben rechts)

Für einen Ausübungspreis von 190$ und einer Laufzeit von 28 Tagen bekommen wir 118$ Prämie (1,18$ * 100).

Wie du außerdem sehen kannst, beträgt das Theta -0,056, was bedeutet, dass wenn die Restlaufzeit um einen Tag sinkt, der Optionspreis um 5,60$ auf 112,40$ sinkt.

Fazit

Wie du nun sehen kannst, kann Geld verdient werden, obwohl der Aktienkurs bspw. stagniert. Durch den Verkauf von Optionen muss die Aktie sich nicht stark in die eine oder andere Richtung bewegen, um Gewinne zu erzielen.

Nichts anderes machen auch Versicherungsunternehmen. Sie erhalten die Versicherungsprämie, obwohl das versicherte Grundobjekt in der Regel unbeschädigt bleibt. Es kann immer sein, dass ein Schadensfall eintritt und die Versicherung zahlen muss, aber grundsätzlich handelt es sich um ein sehr profitables Geschäftsmodell.

Der Zeitwertverfall spielt dem Verkäufer in die Karten. Dennoch möchte ich hier keine Empfehlung abgeben, da jeder für sich selbst entscheiden muss, ob er Prämie bezahlen (Long) oder empfangen (Short) möchte.

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